Freitag, 19. November 2010

Tanz im Chaos

Schritt für Schritt den Rand entlang. Der Tanz, der niemals endet, ohne Takt und Melodie. Die Suche gab ich längst auf, mit dem Wissen, die Zeit hat sie verschlungen. Wie sie es tat, ist ungewiss, doch dass sie es tat, ist genug zu wissen.

Spröde Fäden leiten und ziehen mich, aber ein Entkommen ist dennoch chancenlos. Zu stark sind sie noch, doch irgendwie will ich auch nicht fort. Ich fühl mich wohl inmitten stummer Tränen, die sich weigern zu vergießen.

Ich breite meine schwachen Arme aus, bin ein Vogel im Wind. Frei und doch gefangen. Meine Finger suchen die Fäden, doch spüren nur den Ruck an meinen Gliedern. Ruck um Ruck dem Wege nach ins Ungewisse.

Beißend und stechend ist der Geruch, der sich in meine Nase verirrt. Die Kälte, ich rieche sie so deutlich wie nie zuvor. Würzig und süß ist er, der Geruch. Klar und rein. Ich schließe die Augen und atme tief ein, genieße den tiefen Zug, den einzigen Sinn, den ich noch spüre. In sanften Wellen durchströmt er den Kern und gibt der Hülle neue Kraft. Ich spüre die Kälte, spüre sie tief in mir. Unangenehm ist es sicherlich nicht.

Ich ziehe meine Flügel ein, es ist noch lange nicht Zeit. Den Ort, an dem ich Geduld verlor, muss ich noch finden, ich will sie suchen und wieder lieben lernen. Ich bin mir sicher, sie erzählt mir von Verstand.

Doch zuerst muss ich mich fallen lassen und mir bewusst werden, dass es meine eigenen Hände sind, die meine Augen verdecken. Erkennen, dass die Fäden meine eigenen Gedanken sind, die sich im Chaos verlieren.

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